Rockstars wehren sich gegen Vereinnahmung

Rockstars wehren sich gegen Vereinnahmung

Dass Rockmusik die Welt verändern kann, ist hinlänglich bekannt. Bestes Beispiel dafür war die Wohltätigkeits-Show Live-Aid, die der Sänger Bob Geldof von der Band The Boomtown Rats 1985 auf die Beine gestellt hatte. Die Show, die gleichzeitig in London und Philadelphia stattfand, löste eine Welle an ähnlichen Veranstaltungen aus, die heute zum guten Ton in der Szene gehören. Damals traten die Superstars der Szene geeint auf, um ihre Stimme für eine gute Sache zu erheben. Doch die Kommerzialisierung der Rockmusik hat dazu geführt, dass die berühmtesten Songs gerne zweckentfremdet werden. Dagegen wehren sich jetzt zahlreiche Stars, die mehr Rechte für ihre Werke und Respekt für ihre Arbeit einfordern.

Die Rolling Stones gehen voran

Gesellschaftskritik und Freiheit sind seit jeher beliebte Themen für Rocksongs. Kein Wunder also, das diese sich hervorragend dazu eigenen, die eigenen Botschaften unter das Volk zu bringen. Ob in Werbespots, oder bei Veranstaltungen, für jeden Zweck findet sich ein passendes Lied. Selbst wenn der Song in Wahrheit gar nicht zum Thema passt, kann er für die eigenen Zwecke verwendet werden. Das berühmteste Beispiel dafür ist sicherlich der Klassiker „Born In The USA“ von Bruce Springsteen. Der Refrain verleitet dazu, den Song als Hymne auf nationalen Stolz und Selbstbewusstsein zu interpretieren, doch damit hat der Hit so gar nichts zu tun. Egal, er wird in den USA nach wie vor gut und gerne für diesen Zweck verwendet. Dies zumeist ohne den Künstler um seine Einwilligung zu fragen. Das stößt immer mehr Stars übel auf, sie wehren sich nun dagegen. An der Spitze dieser Bewegung stehen die Rolling Stones, Neil Young und Lionel Richie.

Neil Young und zahlreiche Stars folgen

Neil Youngs „Rockin In A Free World” aus dem Album „Freedom“ ist ein weiteres Beispiel dafür, wie eine Nummer zweckentfremdet werden kann. Gerade wieder wird der Rock-Klassiker in amerikanischen Wahlkampf-Veranstaltungen gespielt, obwohl der Kanadier Neil Young das gar nicht gut findet. Solche Vorkommnisse kennt man schon aus der Vergangenheit. Meistens enden sie mit Klagen und stillen Vergleichen. Jetzt haben sich zahlreiche Stars der Szene zusammengeschlossen und verlangen gemeinsam, dass sie vor dem Einsatz ihrer Werke gefragt werden. Das Bündnis, das die Rechte der Rockstars verteidigt, nennt sich Artists Rights Alliance. Es fordert die Rechte von Songwritern und Musikern ein.

Neil Young und zahlreiche Stars folgen
Neil Young und zahlreiche Stars folgen

Mit dabei sind nicht nur die oben genannten Legenden, sondern auch Künstler wie R.E.M., Kurt Cobain-Witwe Courtney Love, Elvis Costello, Steven Tyler von Aerosmith, Blondie und Alanis Morissette. Sie verfassten und unterzeichneten einen gemeinsamen Brief an politische Vertreter in den USA und ließen den Text gleichzeitig veröffentlichen. In dem Schreiben wehren sie sich dagegen, dass sie mit ihren Songs gegen ihren Willen in eine öffentliche Diskussion gezerrt werden. Die einzige Möglichkeit das zu unterbinden, seien aggressive rechtliche Maßnahmen, um die Verwendung ihrer Musik zu verbieten. Das Ausstrahlen der Songs in einem anderen Kontext könnte die Fans verwirren und ein falsches Bild der Künstler vermitteln. Darüber hinaus könnte dieser Missbrauch ihrer Kunst auch ihre langfristigen Einnahmen gefährden. Ob die Initiative Erfolg hat, wird sich weisen.