Alanis Morissette feiert ein Comeback

Alanis Morissette feiert ein Comeback

Die Kanadierin Alanis Morissette war vor 25 Jahren der größte weibliche Rockstar des Planeten. Ihr gewissermaßen zweites Debüt „Jagged Little Pill“ überrollte weltweit die Charts und machte sie zum Vorbild einer neuen Generation von jungen und wütenden Musikerinnen. Dabei war ihre Karriere zu diesem Zeitpunkt bereits eingeschlafen. Ihr wirkliches Debüt veröffentlichte die damals erst 16-jährige Sängerin in ihrer Heimat Kanada. Dort erreichte die erste Single immerhin Platz 14 der Charts, eine erfolgreiche Karriere schien in Reichweite. Doch bereits das zweite Album floppt und Alanis entschloss sich zu einem vollkommenen Neustart.

Vom Newcomer zu Gott

Dieser ging in den USA über die Bühne. Mit neuem Sound, neuem Image und zwei prominenten Helfern im Hintergrund kam „Jagged Little Pill“ auf dem Markt. Die Kritiker zeigten sich begeistert, der große Erfolg blieb jedoch zunächst aus. Die Medien registrierten wohlwollend, dass Anthony Kiedis und Flea von den Red Hot Chili Peppers auf der Platte mitgewirkt hatten, doch ihre erste Tour führte Alanis Morissette noch durch kleine Konzert-Locations. Das sollte sich allerdings bald ändern, denn ihr Durchbruch übertraf alles bis dahin dagewesene. Nicht weniger als fünf Singles stürmten die Charts und ließen die Verkäufe der Platte explodieren. Bis heute ist „Jagged Little Pill“ 33 Millionen Mal über die Ladentische gewandert. Ihren Ausnahmestatus in der Musikszene dokumentierte auch eine Filmrolle im Kevin-Smith-Film „Dogma“. Dort spielte die Kanadierin an der Seite von Matt Damon und Ben Affleck niemand geringeren als Gott. Ihre Schauspielkarriere verfolgte sie neben ihrer Arbeit als Musikerin immer wieder weiter und trat in zahlreichen bekannten TV-Serien in Gastrollen auf. Die Abstände zwischen ihren Platten wuchsen jedoch von Mal zu Mal an, zuletzt trat Alanis Morissette 2012 mit einer neuen Platte an. Seither sind acht Jahre vergangen. „Such Pretty Forks in the Road“ markiert nun ihr Comeback.

Vom Newcomer zu Gott
Vom Newcomer zu Gott

Mit sich im Reinen

Sie hat mittlerweile drei Kinder und konzentrierte sich in den letzten Jahren darauf diese aufzuziehen. Die schwierige Zeit dieser Jahre dokumentiert sie auch auf ihren neuen Songs, die allesamt auf einem Klavier entstanden sind. Sie alle werden von einer tiefen Melancholie getragen, die die oftmals kargen Nummern perfekt begleiten. Morissette arbeite Themen ihres Lebens, wie Schmerz, Vertrauensbruch und den Mangel an Integrität auf. Nach ihrem gigantischen Erfolg stürzte sie in Depressionen, verlor Geld und Vertrauen an Freunde und musste sich immer wieder mühsam zurückkämpfen. Diese Phase ihres Lebens steht im Mittelpunkt der Texte von „Such Pretty Forks in the Road“. Erst zuletzt wurde die Sängerin wieder einmal betrogen. Ein Manager stahl Geld und wurde anschließend verurteilt. Sie entschloss sich daher verstärkte eigene Entscheidungen in und über ihre Leben zu treffen. Von diesem Weg handelt die neue Platte, mit der Alanis Morissette einen Teil ihres Lebens hinter sich lassen möchte. Die ersten Reaktionen auf das Comeback-Album sind durchwegs positiv, manche Kritiker sprechen gar von der besten Platte seit dem Millionenseller vor 25 Jahren. Damit trifft die Kanadierin auf eine Generation von Musikerinnen wie Phoebe Bridgers oder Fiona Apple, die in den letzten Jahren in ihre Fußstapfen getreten sind. Einen Vergleich braucht sie jedoch nach wie vor nicht zu scheuen.